Bedarf an Piloten steigt enorm an
Zahl der Verkehrsflugzeuge weltweit bis 2026 verdoppelt
Weltweit werden jährlich 17.000 neue Flugkapitäne gesucht. Schon sind erste Unfälle auf ungenügend ausgebildete Flugzeugführer zurückzuführen.
Karl Morgenstern HAMBURG (SN, dpa). Noch nie in der Geschichte der Luftfahrt waren Piloten so gefragt wie derzeit. Jedes Jahr werden weltweit rund 17.000 neue Flugzeugführer gesucht. Das hat das deutsche Magazin für Zivilluftfahrt "Aero International" ermittelt. Nach einer Boeing-Studie wird sich die Zahl der Verkehrsflugzeuge weltweit bis 2026 verdoppeln - von 18.230 im Jahre 2006 auf dann 36.420. In diesem Zeitraum müssten mehr als 363.000 Piloten ausgebildet werden.
Schon heute steht nach dem Bericht von "Aero International" fest, dass es in den nächsten Jahren weltweit eklatante Engpässe geben wird: Die International Air Transport Association (IATA) schlage bereits Alarm und empfehle, die Pilotenausbildung gründlich zu überdenken. Von zunehmender Knappheit an Cockpitpersonal seien vor allem die kleineren Fluggesellschaften betroffen. Deren Piloten, deren fliegerische Erfahrung sich nicht selten auf kleines Fluggerät beschränkt, werden gezielt von großen und stark expandierenden Airlines vor allem aus dem Nahen, Mittleren und Fernen Osten mit hohen Geldprämien abgeworben.
Die Folgen sind, so schreibt das Luftfahrtmagazin, "nicht nur stillgelegtes Fluggerät und ein drohendes Sterben kleiner Regional-Fluggesellschaften, sondern unter Umständen auch ein unsicherer Flugbetrieb in den boomenden Luftverkehrsmärkten". Einige Unfälle in Indonesien sollen bereits auf Fehler ungenügend ausgebildeter Piloten zurückzuführen sein.
Vor diesem Hintergrund sieht sich Jürgen Raps, der langjährige Chefpilot und heutige Bereichsvorstand Operations der Lufthansa, zu einer Warnung veranlasst. "Was derzeit auf dem weltweiten Markt los ist, geht schon ein bisschen in Richtung Wildwest", sagte er der Zeitschrift. "Das ist aber nicht überraschend, denn wenn ein derartiger Bedarf an qualifiziertem Personal besteht, versucht man natürlich mit allen Mitteln, das Personal zu rekrutieren."
Erhard Walther, Geschäftsführer der Hamburger Interpersonal GmbH, die Flugzeugführer weltweit vermittelt, glaubt laut dem Bericht, dass der Personalbedarf ab 2009 wieder etwas abflachen werde. Allerdings warnt der Wirtschaftsexperte und Flugkapitän angesichts des Luftverkehrsbooms vor mangelnder Qualität in der Ausbildung: "Die Flugschulen bilden nicht nur zahlenmäßig mehr Cockpitnachwuchs aus als zu früheren Zeiten, sondern vor allem auch in einem wesentlich kürzeren Zeitraum." Auch gebe es kaum noch qualifizierte Fluglehrer, weil sie selbst vom Arbeitsmarkt angefordert würden.
Der Faktor Erfahrung spiele fast keine Rolle mehr. "Die Fluggesellschaften können es sich gar nicht mehr leisten, nur Bewerber mit vielen Flugstunden einzustellen", gibt Walther zu bedenken. "Nicht nur am Golf herrscht großes Wachstum, auch in Asien und Indien. Vor allem die indischen Fluggesellschaften zahlen hohe Gehälter." Allerdings: Geld ist nicht alles. "Einige deutsche und europäische Piloten kommen inzwischen wieder zurück, weil sie z. B. mit dem Leben in diesem gänzlich anderen Kulturkreis nicht zurechtkamen", sagt der Fachmann.
Quelle: http://www.salzburg.com

